wienweb.at (8.1.2007)
The Art Of Songwriting
Vor allem im abgelaufenen Jahr konnte eine stetig wachsende Songwriting-Szene auf sich aufmerksam machen. Das junge Label "Buntspecht" förderte mit Clara Luzia und Chris Gelbmann feine Songschmiedkunst zu Tage. Kempf bewies, dass neben Altmeistern wie Georg Danzer auch junge Musiker glaubwürdig Dialekttexte zu Gitarrensongs singen können. Sie führen somit eine vorhandene Tradition fort und frischen sie auf.
http://www.wienweb.at/content.aspx?id=123262&cat=32&channel=2&typ=0

Ö1 (über micafocus#10 vom 11.12.2006)
Platz für Pop! Podiumsdiskussion im mica
im mica diskutierten Vertreter der Pop-, Indie- und Club-Szene über die "Musikstadt Wien".
"Auch Pop-Musik ist eine Form von Kultur und Kunst." Auf diese scheinbare Selbstverständlichkeit wies Musiker Chris Gelbmann bei einer Podiumsdiskussion im Music Information Center Austria (mica) hin.
Unter dem Motto "Platz für Pop - Freie Spielstätten für österreichische Musikschaffende abseits des Mainstreams" diskutierten Musiker und Organisatoren im mica die Frage, wie es in Wien um die Pop-Kultur steht. Neben einer Bestandsaufnahme aktueller Probleme wurden dabei auch Forderungen an die Politik gesammelt.
Massives Brodeln Es gäbe ein "massives Brodeln" in der Wiener Szene, berichtete Veranstalter Stefan Parnreiter über das "riesengroße kreative Potential" in Wien. Trotzdem werde von den meisten Veranstaltern kaum österreichische Musik gebucht. Tanja Bednar, die unter anderem einen Club in der Künstlerhaus-Passage organisiert, kritisierte die aufwändigen Genehmigungsverfahren und schikanöse Vorschriften für Veranstaltungen. Als Veranstalter sei man oft gezwungen, am Rande der Illegalität zu wandeln. Oder Lobbying-Arbeit zu betreiben: "Entweder man hat Freunde in der Stadt Wien oder man kann's vergessen", so Bednar lakonisch.
"Nicht so viel verhindern" Uli Hilger, professioneller Booker, pflichtete dem bei: "Wir erwarten uns gar nicht so arg viel Unterstützung, es wäre schon einmal schön, wenn nicht so wahnsinnig viel verhindert werden würde." Subventionsgelder für Veranstaltungshäuser würden oft nicht bei heimischen Musikern ankommen, sondern bei ausländischen Acts. Chris Gelbmann vom Label "Buntspecht" stimmte zu: "Ich würde mir eine Kulturpolitik wünschen, die die Infrastrukturen so unterstützt, dass die Gelder wieder zurückfließen ins eigene Land, zu den eigenen Musikern." Politik und Medien müssten ihre Rolle als Stimulanten der Szene in größerem Maße wahrnehmen. Zudem bräuchten junge Musiker Hilfestellungen und Coaching im wirtschaftlichen Bereich.
"Nicht nur Mozart in Wien" Zudem wurde von den Branchenkennern kritisiert, dass Creative-Industries-Programme nur für Firmen zugänglich seien, kleinere Vereine würden hier durch die Finger schauen. Michael Gaissmaier von Mami Marketing ritt eine polemische Attacke gegen die Politik. Es gäbe in Wien nicht nur Mozart, so Gaissmaier, Musiker der Band Heinz, "und die verantwortlichen Leute wissen das nicht mal". Etwa in Schweden habe man schon früh verstanden, dass geförderte Pop-Musik langfristig auch wirtschaftlich prosperiert.
Kompetentere Ansprechpartner Behördenschikanen bei der Organisation von Veranstaltungen wurden auch in einer weiteren Diskussionsrunde kritisiert. Vertreter der Experimental- und Underground-Szene wünschten sich zudem kompetentere Ansprechpartner auf Seiten der Subventionsgeber. Der Kulturpolitik-Ansatz von Politikern und Beamten der Stadt Wien komme aus den 50er und 60 Jahren, so Peter Nachtnebel vom ruin-Festival. Überkommene Begriffe wie "volksbildnerisch" und "bürgerliche Nischenkultur" würden benutzt: "Sie müssten Seminare machen, um sich damit auseinander zu setzen, wie Kulturpolitik im 21. Jahrhundert aussehen sollte", forderte Nachtnebel von den Verantwortlichen. Patricia Enigl vom temp-Festival wies auf die für kleine Veranstalter schwierige Steuersituation hin. Ihre Forderung: Befreiung von AKM-Gebühren und von der 25-prozentigen Vergnügungssteuer. Martin Wagner vom Wiener Szene-Lokal fluc könnte sich eine Evaluation im Sinne der Wiener Theaterreform vorstellen: "Was wird gefördert und wer wird schon wie lang gefördert, wo sind Strukturen, die man übersieht? So eine Studie würde mich sehr interessieren."
Text: Rainer Elstner
Mehr zur ersten Podiumsdiskussion dieser Reihe in oe1.ORF.at
http://oe1.orf.at/highlights/70749.html
http://www.mica.at/musiknachrichten/detail.asp?...

wienweb.at (11.5.2006)
Report von Denise Riedlinger
Zwischen English Folk und Austropop
Österreich hat in Matthias Kempf einen neuen Stern am finsteren Austropop-Himmel, und die Sängerin Clara Luzia hat ihr vielversprechendes Debut veröffentlicht. Dahinter verbirgt sich Buntspecht Records. Das Label gibt kräftige Töne von sich.
Wer genau aufgepasst hat, dem ist nicht entgangen, dass es in Österreich wieder eine Quelle für professionelle heimische Popproduktionen abseits von Starmania gibt. Dahinter stecken der ehemalige Universal Manager und Christina Stürmer-Produzent Chris Gelbmann und der einstige EMI-Chef Erich Krapfenbacher.
Viel Talent für wenig Taler
Die Existenz von Buntspecht Records beweist einmal mehr, dass man sich, will man vom Potential der ansässigen Musiker eine Ahnung haben, keinesfalls von den Major Labels, Fernsehen und Radio täuschen lassen darf. Es gibt haufenweise gute Popmusiker in Wien und im Rest Österreichs. Vereine wie die Vienna Songwriting Association präsentieren jeden Monat vielversprechende heimische Acts. Sie haben nur keine Chance darauf, abseits staatlicher Medienmaschinerien wie Casting-Shows oder Bandwettbewerben jemals von ihrer Musik zu leben oder für ihre Platten Anerkennung zu bekommen.
Ein Blitzstart mit Chamäleon
Vielversprechend begonnen hatte es im Sommer 2004. Gleich nach der Gründung des Labels erschien Expedition 87 - 04 von Popchamäleon Hans Platzgumer. Das Album ist repräsentativ für die Label Linie: Ein in seiner Klangwelt komplett eingesponnener Liedermacher hat sein Leben seiner Besessenheit für die Musik hingegeben. "Für mich ist die Interpretation das wichtigste. Man muss dem Musiker sofort abnehmen, was er tut", meint Gelbmann.
Erdiger Folk mit Gefühl
Auch Chris Gelbmann ist ein Besessener. Sonst hätte er wohl nicht seinen gut dotierten Job als A&R Manager bei Universal Records aufgegeben, um im "Musikland" ein Popalbum zu produzieren. Das kommt aufgrund fehlender Förderungsstrukturen von Seiten der Politik einem wirtschaftlichen Selbstmord gleich. Der Österreichische Musikfonds hat für Popularmusik 600.000 Euro Jahresbudget, davon gingen sich letztes Jahr 49 Albumproduktionen aus. Und das Budget für andere Kunstsparten? "Das lässt sich nicht vergleichen, das sind völlig andere Förderschienen", heißt es dazu aus dem Büro von Kulturstaatssekretär Franz Morak.
Kempf lebt los
Sie sind teilweise schmerzhaft altmodisch, die Arrangements. Bei so manchem Streicher-Arrangement und tiefstem 90er-Jahre Sample mag man gerne weg hören. Aber diese Stimme, sie lässt einen nicht. Sie zwingt quasi dazu, gebannt zu lauschen auf Musik, wie man sie in Österreich schon lange nicht mehr gehört hat. Matthias Kempf erweckt mit seinem Erstling "Leb Los!" das zum Leben, was mit Georg Danzer, Rainhard Fendrich und Wolfgang Ambros einmal die Identität einer Stadt, eines Landes ausgemacht hat.
Mit dem 30 Jahre jungen Liedermacher aus Wien ist es möglich, das Wort Austropop wieder zu gebrauchen, ohne dabei rot werden zu müssen. Gespannt darf man auch auf die Karriere von Clara Luzia sein. Sie gilt mit ihrer Stimme zwischen Björk und Suzanne Vega längst als Geheimtipp. Ihr Debut-Album "Railroad Tracks" ist voll bjork-esk interpretierter, leicht verdaulicher Folk-Songs.
Man darf nicht aufgeben
Buntspecht Records ist ein kräftiges Lebenszeichen zweier professioneller Musikmacher, die es satt haben, als Idealisten bezeichnet zu werden, wenn sie ihren Job gut machen. Wer mit Musik Erfolg haben will, muss sich leider weiter die Fragen stellen, ob Auswandern dafür nicht besser wäre. "Eine Frage, die ich mir oft stelle", meint Gelbmann.
http://www.wienweb.at/content.aspx?id=105827&channel=2&cat=32&typ=0

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